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05.09.2019

Briten müssen wegen des Brexits womöglich mehr Konserven und Tiefgefrorenes essen

(businessinsider.de) - Das Brexit-Chaos geht weiter: Premierminister Boris Johnson hat die Mehrheit im britischen Unterhaus verloren und die Abgeordneten im Parlament haben den Weg zu einem Gesetzesentwurf geebnet, das einen No-Deal-Brexit verhindern könnte. Das Gesetz sieht vor, dass Johnson eine Verschiebung des EU-Austritts beantragen muss, sollte bis zum 19. Oktober kein Austrittsabkommen geschlossen worden sein. Johnson will jedoch unter keinen Umständen eine Verlängerung der Brexit-Frist beantragen. Er will die EU bis zum 31. Oktober 2019 verlassen, auch ohne EU-Deal.

Dass ein harter Brexit, wie ihn Johnson anstrebt, weitreichende wirtschaftliche Konsequenzen mit sich bringen wird, darüber sind sich die meisten einig. Welche Wirtschaftssektoren jedoch genau und in welchem Ausmaß betroffen sein werden, darüber wird bislang nur spekuliert. Der Logistik-Professor Christian Kille verwies im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ nun auf die Schwierigkeiten, die die Lebensmittelindustrie im Falle eines No-Deal-Brexit bekommen könnte.

Brexit könnte Unterversorgung mit frischen Lebensmitteln zur Folge haben
Da die Briten bei Produkten wie Obst, Gemüse, Frischmilch und Frischfleisch überwiegend auf Importe angewiesen seien, und diese sich durch neue Zollauflagen nicht nur verteuern, sondern sich ihre Lieferungen auch verzögern würden, könnte es im Falle eines harten Brexit zu einer Unterversorgung in breiten Landstrichen der britischen Insel kommen, so Kille. Daher sei es wahrscheinlich, dass die Briten in Zukunft auf Lebensmittel umsteigen müssen, die weniger schnell verderben. „Sie müssen sich darauf einstellen, künftig mehr Konserven und Tiefgefrorenes zu essen“, sagt Kille gegenüber der „SZ“.

Bei einem unregulierten Brexit werde es wohl zu einer Unterbrechung der üblichen Lieferketten kommen. Daher hätten Unternehmen bereits jetzt Vorsorgemaßnahmen getroffen, erklärte Kille. Während einige Betriebe England als Produktionsstandort abgeschrieben haben, setzen andere darauf, ihre Lager vorsorglich mit Produkten aufzufüllen, sodass sie die Störungen in der Lieferkette überbrücken können. „Ein interessantes Beispiel ist die Fertigpizza-Kette Domino's, die Produkte für den Pizzabelag hortet, um auch nach einem Brexit Pizzas herstellen zu können. In England wird gerade jeder Hühnerstall angemietet, um Produkte zu horten“, so Kille.

Sinkende Importe und Exporte zeigen: Unternehmen haben Brexit bereits vorweggenommen
Viele Unternehmen jedoch setzen auch auf erstere Strategie. Mit Blick auf die deutsch-britischen Handelsbewegungen erklärte der Logistikexperte, dass der Export von Deutschland auf die britische Insel bereits im Jahr 2018 um elf Prozent zurückgegangen sei, wenn man die Warenmenge in Tonnen zugrunde legt. „Der Import ist sogar um 15 Prozent eingebrochen. Ich erwarte, dass beides in diesem Jahr sogar noch tiefer fallen wird. 2020 dürfte er sich dann auf dem niedrigen Niveau stabilisieren.“ Somit hätten viele Unternehmen den Brexit schon vorweggenommen, erklärte Kille.

Laut Kille sind neben der Lebensmittelindustrie besonders die Automobilhersteller und die chemische Industrie von dem drohenden harten Brexit betroffen. Da die Automobilindustrie hauptsächlich auf Nachfrage produziere, sei das Auffüllen von Lagerbeständen keine empfehlenswerte Strategie für diese Branche. Als Beispiel nannte der Logistikexperte den japanischen Automobilhersteller Nissan, der bereits angekündigt hatte, keine Fahrzeuge mehr auf der britischen Insel zu produzieren. „Es gibt auch in der deutschen Automobilindustrie entsprechende Pläne. Man redet nur ungern darüber.“


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